Kreativität kennt keine Grenzen...  
 

Sprechen Sie Andi?
Heute: Wahrnehmung

Hast Du Dir schon einmal ein Bild angeschaut? Oder hast Du Dir schon mal einen Text durchgelesen? „Sicher! Ich bin doch hier bei Google+. Ich schaue mir ständig irgendwas an und ich lese mir ebenso oft auch etwas durch!“ wirst Du sagen und Dich vielleicht fragen, worauf will der Andi denn jetzt schon wieder hinaus.

Das ist ganz einfach. Wenn Du ein Bild betrachtest nimmst Du etwas wahr. Du nimmst bestimmte Informationen auf und verarbeitest sie gemäß Deines Erfahrungshorizonts und Deiner Fähigkeiten. Du wirst automatisch selektieren und automatisch bewerten. Du wirst innerlich bewusst oder unbewusst eine Entscheidung darüber treffen, ob Dir das Bild gefällt, ob es Dich langweilt, ob es Dir Informationen gibt. All das geschieht größtenteils im Unterbewusstsein. Ebenso verhält es sich mit Texten. Wir sind normalerweise darauf konditioniert, bewusste Handlungen eher in das Unterbewusstsein zu drücken, damit wir unser Bewusstsein auf das Ungewöhnliche lenken beziehungsweise uns eben nicht auf die gewöhnlichen Dinge konzentrieren müssen. Es wäre ja auch fatal, wenn wir uns jeden physischen Schritt, jeden Atemzug bewusst überlegen würden. Wir wären hoffnungslos damit überfordert, eine Straße zu überqueren. Wer das nicht glaubt, kann ja mal spaßeshalber mit einem vierjährigen Kind eine stärker befahrene Straße ohne Ampel und Zebrastreifen überqueren. Aber bitte frag das Kind vorher, ob Ihr schon über die Straße gehen könnt. Das Kind ist noch sehr damit beschäftigt, die Umwelt wahrzunehmen, während wir Erwachsene alles Überflüssige ausgeblendet haben, um uns auf den Straßenverkehr zu konzentrieren.

Und somit komme ich zu dem, worüber ich eigentlich schreiben möchte. Wahrnehmung. Ein auf den ersten Blick völlig normaler Begriff, der sich so abgenutzt hat wie ein paar Schuhe nach einem Jahr intensiver Nutzung. Zunächst fällt auf, dass das Wort aus zwei inhaltlichen Komponenten besteht. Zum einen aus der Tätigkeit „nehmen“ und zum anderen aus dem Wort „wahr“. Während wir alle eine klare Vorstellung davon haben, was „nehmen“ bedeutet, streiten sich Philosophen, Psychologen, Politiker, Natur- und Geisteswissenschaftler und bestimmt noch viele weitere Personen, die den vorgenannten Kreisen nicht zuzurechnen sind, darüber was wahr oder eben nicht wahr ist. Aber wie kann ich dann etwas „wahrnehmen“ wenn sich schon an einem so kleinen und kurzen Wort die Geister scheiden? Du fragst Dich das jetzt auch gerade? Gut, denn dann konntest Du mir wenigstens folgen, hast Deine Aufmerksamkeit diesem Text gewidmet und hast gerade, dass was ich geschrieben „wahr“genommen. Du bist soeben davon ausgegangen, dass das was ich schreibe irgendwie zutreffend ist und daher, zumindest nach Deinem Erfahrungshorizont „wahr“ sein könnte.

Vielleicht ist ja Wahrnehmung doch nicht so schwierig. Interessant wird Wahrnehmung in Bezug auf Aussagen, die in Deiner Umgebung gemacht werden. Diese Aussagen werden Informationen beinhalten. Möglicherweise wird Dir eine Meinung oder Wertung in Bezug auf die Information mitgegeben. Werbung lebt davon, bestimmte Informationen mit dem Wunsch, ein bestimmtes Produkt haben zu wollen oder haben zu müssen, gekoppelt. Aber wie viel davon nimmst Du zusätzlich wahr? Nimmst Du wirklich nur wahr, dass, das Produkt A für X Euro im Handel erhältlich ist? Wobei ich jetzt mal unterstelle, dass das neutral betrachtet jetzt die wesentliche Information ist. Oder bleibt bei Dir in Erinnerung, dass es Dich farblich angesprochen hat? Vielleicht war es auch der muskulöse Typ, der Dein Interesse geweckt, hat oder aber die vollbusige Lady, auf der Dein Augenmerk liegt. Oder war es der Jingle, der als Ohrwurm nicht mehr aus Deinem Kopf gehen möchte?

Bewusste Wahrnehmung kann sehr bereichernd sein. Achte doch mal beim nächsten Mal, wenn Du Google+ startest, worauf Du immer so klickst, was Du wirklich liest, und was Du links liegen lässt. Ich bin mir sicher, wenn Du das einen ganzen Tag beherzigst, und „Wahrnehmung“ nicht nur hier anwendest, sondern auch auf Dein Umfeld, wirst Du einen anderen Blick auf diese unsere Welt haben.

In diesem Sinne

Viel Spaß und Erfolg beim Wahrnehmen


Text: Andi Herrmann / 14. Oktober 2013