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Sprechen Sie Andi?
Heute: Teilen


Als ich mich neulich mit meiner Freundin blödelnder Weise in der dritten Person unterhielt, entstand folgender eigentlich völlig sinnfreie Dialog:

Wieso sprechen wir eigentlich in der dritten Person von uns?“

Weil wir 'ne Macke haben.“

Nur eine? Na gut, aber die teilen wir uns. Okay?“

Die teilen wir uns? Ja, na klar. Eigentlich teilen wir ja öfter irgendwas miteinander. Warum nicht auch unsere vielen Macken?“
  
Frag mich mal einer „Wieso...?“, aber als ich über diesen Begriff des Teilens nachdachte, ging mir auf, wie inflationär dieses kleine Wörtchen benutzt wird. Auf Google+ werden Beiträge geteilt, Lebenspartner teilen sich „Tisch und Bett“ (eine Formulierung, die sogar juristisch Relevanz hat), Kosten werden verteilt, ab und an bekommen wir etwas mitgeteilt, Sachtexte werden inhaltlich unterteilt, Inhaftierte teilen sich eine Zelle, Zellen teilen sich, Menschen können übervorteilt werden und, und, und... Ich könnte mich jetzt dazu verleiten lassen, diese Liste seitenweise, sicher auch sehr unterhaltsam, weiter zu führen, ohne dass ich zu dem kommen würde, was ich eigentlich so faszinierend an dem Wort „teilen“ finde. Vom sprachlichen Gebrauch her sind wir es gewohnt, dass Verben von Nomen abgeleitet werden (z. B. spielen von Spiel, musizieren von Musik, sprechen von Sprache usw.). Das Verb „teilen“ wäre demnach von dem Nomen „Teil“ abgeleitet, was bei mir noch mehr Fragezeichen auslöst. 

Teil“

Was genau soll eigentlich ein Teil sein, oder anders ausgedrückt, wie kann ich Teil beschreiben, ohne auf das Wort „Teil“ zurückgreifen zu müssen? Na, wem fällt etwas ein, ohne im Internet zu suchen oder die Herren und Duden und Brockhaus zu befragen? Ich gebe es zu, ich kam nicht ohne aus. 

Ich könnte daher sagen, dass ein Teil ein „Stück“ von einem Ganzen ist. Demnach wäre „teilen“ ähnlich zu verwenden wie „stückeln“. Also werde ich künftig meine Beiträge bei Google+ und Facebook stückeln, Lebenspartner können künftig Tisch und Bett stückeln, Zellen stückeln sich, Inhaftierte stückeln sich eine Zelle. Ihr könnt mir jetzt alles mitstückeln, was Euch so bewegt. Ihr dürft mich auch gerne in Euren E-mail-Verstückler aufnehmen. Ich werde an Euren Mitstückelungen dann Anstück nehmen. 

Vice versa werde ich morgen zum Frühteil einen Kaffee schlürfen.

Text: Andi Herrmann / 23. November 2013