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Sprechen Sie Andi?
Heute: Macht

Der Begriff "Macht" verursacht bei mir beim normalen Hinhören zunächst ein beklemmendes Gefühl. Assoziationen zu MachtmissbrauchMachtgefüge oder auch machtlos verursachen dieses Unwohlsein. Dabei handelt es sich streng genommen lediglich um eine Ableitung aus dem Verb machen. Also geht es bei diesem Wort eher um die Fähigkeit etwas auszuführen, darum handlungsfähig zu sein. Es geht darum, etwas zu bewirken. Von daher ist es also etwas Positives. Wirbevollmächtigen oder ermächtigen jemanden, damit er in unserem Namen oder für uns handeln kann und erweitern damit seinen Wirkungskreis, seine Macht. Wenn etwas machtvoll ist, hat es einen sehr hohen Wirkungsgrad oder Wirkungskreis. Konflikte entstehen erst, wenn sich Wirkungskreise schneiden. In dieser Schnittmenge finden Machtkämpfe statt. In Beziehungen kann es passieren, dass der Wirkungskreis des anderen größer ist und dadurch mehr Raum beansprucht. Dies kann schlimmstenfalls soweit gehen, dass der andere machtlos ist, dass heißt er hat keinen Wirkungskreis mehr innerhalb der Beziehung. Es kann zumMachtmissbrauch kommen. Der Mächtigere dominiert den anderen. Optimal sind gleich große Wirkungskreise, in der die Mächte im Gleichgewicht gehalten werden. Ich denke in einer gesunden Beziehung behindern sich die Wirkungskreise nicht. Sie wirken in unterschiedliche Richtungen, weil jeder zu etwas anderem befähigt ist und dementsprechend etwas anderes macht. Mit Beziehung meine ich jede Art von regelmäßigen Zusammentreffen von Menschen. Dies kann eine Freundschaft aber auch ein Arbeitsverhältnis sein. Aber auch noch größere Konstellationen sind denkbar. So gibt es eine Beziehung zwischen Regierung und Volk, wobei auch hier die Größe bzw. die Menge der Beteiligten stark variieren kann.

Interessanterweise wird Macht sehr subjektiv wahrgenommen. So können durchaus wenige Personen eine ganze Menschenmenge dominieren. Ich möchte hier an Diktaturen erinnern, aber auch im Prominentenbereich lassen sich Massen durch den Wirkungskreis einzelner beeinflussen und lenken. Oftmals wird Machtnicht aktiv eingesetzt. Es liegt vielmehr an der Wahrnehmung der anderen, die sich freiwillig in diesen Wirkungskreis hineinbegeben und dann Dinge tun, die sie normalerweise nicht tun würden. In dem Sinne können Prominente Macht auf ihre Fans ausüben. Wobei ich mal unterstelle, dass Macht in den seltensten Fällen von den Prominenten absichtlich ausgeübt wird.

Etwas anders sieht es beim Machtmissbrauch aus. Hier erhöht sich der Wirkungskreis einzelner durch ihre Position in der Gesellschaft oder der Firma oder in der Familie. Hierarchien werden gebildet, um Machtverhältnisse zu bestimmen. Eben diese Bestimmung von Machtverhältnissen führt dazu, auch Machteinzusetzen. Machtmissbrauch wird möglich, weil Rechte gegeben sind, die einzelne bewusst in ihrem Wirkungskreis einschränken, ohne dass dieser sich wehren kann. Aufgrund dessen, dass unsere Gesellschaft genau nach diesem Schema funktioniert assoziieren wir automatisch etwas Negatives mit dem WortMacht. Wir verlernen selbst Macht auszuüben mächtig und nicht mehr ohnmächtigzu sein, weil immer jemand da ist, dem mehr Macht gegeben wurde. Und dennoch kann Machtmissbrauch gebrochen werden. Nämlich immer dann, wenn sich der Betroffene seines eigenen Wirkungsspektrums bewusst wird und anfängt wieder eigenständig zu handeln, zu machen, seine Macht auszunutzen.

Jeder Mensch hat ein bestimmtes ausbaufähiges Potential an Macht. Meiner Meinung nach sollte sich jeder Mensch dessen bewusst werden und wieder lernen mit seiner Macht umzugehen. Machtmissbrauch fängt im Kopf an. Auf beiden Seiten. Respektvoll miteinander umzugehen, kann bewirken, dass Macht wieder einen positiven Beiklang bekommt. Wenn ich meine Macht dahingehend einsetze, in meinem Wirkungskreis positive Akzente zu setzen und dabei das Machtpotentialdes anderen nicht angreife, kann etwas machtvoll Positives entstehen. Wobei es dem einzelnen überlassen bleibt, was jetzt genau das Positive ist. 

In diesem Sinne wünsche ich eine gute Macht äh... Nacht ;-)

Text: Andi Herrmann / 17. September 2013