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Von Glaubensäpfeln

Ich empfinde es ja immer wieder als höchst erstaunlich, wie unterschiedlich Worte aufgenommen und eingesetzt beziehungsweise auch verstanden werden. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass die Worte „Ich weiß, dass (...)“, „Ich glaube, dass (...)“ und „Ich denke, dass (...)“ oftmals völlig wahllos eingesetzt werden? Es ist zum Beispiel völlig unwichtig, ob du weißt, glaubst oder denkst, dass das Wetter schön wird. Zum einen macht das Wetter nicht das, was wir wissen, glauben oder denken, dass es tun soll und zum anderen ist ja gerade das Empfinden über das Wetter von Person zu Person unterschiedlich. Ich frage mich auch, ob diejenigen, die diese Wetterberichte schreiben oder diejenigen, die die Vorhersagen festlegen, wissen, glauben oder denken, dass das Wetter eben genauso wird, wie sie es formulieren. Bevor du jetzt aber darüber weiter nachdenkst, möchte ich dir noch ein paar Gedanken zu den möglicherweise doch vorhandenen Unterschieden von wissen, glauben und denken mit auf den Weg geben. Als Ausgangspunkt meiner eigenen Wahrnehmung der drei Verben möchte ich die goldene Mitte wählen. Also schaue ich mir das Wort „glauben“ an. Wann immer ich mit diesem Wort konfrontiert wurde, musste ich feststellen, dass es recht unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie „glauben“ benutzt wird. Viele verstehen es als etwas, was eher wenig Aussagekraft hat. Sätze wie „Das glaubst du nur, du weißt es nicht!“ verdeutlichen, dass eine stärkere Überzeugung als „glauben“ vorhanden sein muss. Nämlich die des Wissens. Nun bin ich ja der Meinung, dass religiöse Menschen diejenigen sind, die zur Bedeutung von „glauben“ am Ehesten etwas sagen können, denn der Glaube ist essentiell für ihr Leben. Ich schaue mir also mal eine Definition aus der Bibel an: „Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebr. 11, 1) Glaube ist also eine Weiterführung von Hoffnung. Er gibt einem eine Art virtuelle Erkenntnis oder eben virtuelles Wissen. Soweit, so gut. In Anlehnung an diese Beschreibung wage ich mich mal an das Wort „wissen“ heran. Wissen könnte dann die reale Erkenntnis sein. Ich weiß, dass zwei und zwei eben vier ist, weil ich die Erkenntnis habe, dass ich bei Besitz von zwei Äpfeln und Hinzufügen von zwei anderen Äpfeln eben vier Äpfel habe. Vorausgesetzt, ich habe nicht jemanden in der Familie, der mir zwischendurch die Äpfel auffuttert. Dann habe ich vielleicht zwei Apfelgriepsche und zwei Äpfel, was ja eben nicht mehr so wirklich vier Äpfel sind. Vielleicht weiß ich also doch nicht, dass zwei plus zwei vier ist. Vielleicht glaube ich das eher, denn ich hoffe es sehr stark, dass ich dann vier Äpfel haben werde. Nun ist das natürlich so eine Sache mit dem Glauben. Nach meiner Erfahrung (ich habe drei Töchter) ist es gerade mit den Äpfeln so, dass mir eine von den Dreien einen von den Äpfeln in einen Griepsch verwandelt. Von daher denke ich, dass zwei plus zwei vier ist. Denken kann ich alles. Das ist unverfänglich. Die Gedanken sind frei, wie schon das bekannte Volkslied uns beigebracht hat, als wir noch dabei waren, Äpfel in ihre Bestandteile zu zerlegen. Aber wie das oft so ist, ist es meistens noch schlimmer. Ich habe also diese zwei Äpfel. Ich packe zwei weitere Äpfel dazu, genieße den Anblick der vier Äpfel, da kommen meine Töchter (eine hat noch eine Freundin im Schlepptau) und jede von ihnen schnappt sich einen Apfel. Ich denke zwei plus zwei ist nicht vier sondern nichts. Ach was, ich denke das nicht nur, ich glaube das. Aber wenn ich so darüber nachdenke, ich glaube es nicht nur, ich weiß das.

Text: Andi Herrmann / 3. Dezember 2013