Kreativität kennt keine Grenzen...  
 

November

Spürst du den November? Diese graue, unbarmherzige Zeit. Das Laub liegt auf den Straßen, nass vom ewig durchdringenden Regen und zerdrückt von gnadenlosem Schuhwerk. November einer Großstadt. Wolken halten die Sonne ab, verdrängen die Leben erhellenden Strahlen. Es bleibt dunkel in der Seele. Sie drücken sich ins Gemüt. Ich trotte durch die Straßen. Kälte zieht durch den Körper, beklemmt das Innerste. Fatalismus macht sich breit. Wind kommt auf, ein eisiger Wind. Ein Vorbote, der den Winter ankündigt. Grün, Rot und Gelb weichen allen Facetten von Grau. Die Bäume passen sich kahl und glatt der Umgebung an. Farblose Häuserfronten stehen wie Spukgestalten hoch aufgerichtet da. Mit höhnischem Gelächter vertreiben sie die Fröhlichkeit. Schwermut zieht ein. Das Herz hängt in den Kniekehlen. Ich trotte weiter, unfähig die Finger zu bewegen. Scheinbar ziellos suche ich nach etwas Warmen, nach Nähe und Licht. November, ein bedrückender Monat. Eine Zeit, in der ich lieber im gemütlichen Wohnzimmer sitze. Eine Zeit von warmen Kakao. Ich suche die wärmenden Momente für die Seele. Musik gegen die Seelenpein plärrt durchs Radio. Kerzenschein durchdringt das Auge, nimmt den Kampf gegen die Kälte im Herzen auf. Heißer Tee wärmt den Leib, Honig lindert den angekratzten Hals. Draußen bleibt es grau. Noch ehe es hell wird, zieht wieder Nacht ein. Ich verkrieche mich ins Bett, sauge die Wärme des Kissens und der Decke auf. Die Behaglichkeit des Schlafs nimmt mich ein, um am nächsten Tag wieder den Kampf gegen Grau und Kälte zu beginnen. Ein Kreislauf beginnt. Spürst du den November?

Text: Andi Herrmann / 6. November 2013